{"id":25328,"date":"2019-10-11T00:00:00","date_gmt":"2019-10-10T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/mm-live.digilicious.cloud\/news\/mmgroup\/experteninterview-nachhaltiges-verpackungsdesign\/"},"modified":"2024-09-15T23:06:56","modified_gmt":"2024-09-15T21:06:56","slug":"experteninterview-nachhaltiges-verpackungsdesign","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mm.group\/de\/news\/board-paper\/experteninterview-nachhaltiges-verpackungsdesign\/","title":{"rendered":"Experteninterview \u2013 Nachhaltiges Verpackungsdesign"},"content":{"rendered":"<section class=\"mm-wrapper-new\">\n<h3>SUSANNE LIPPITSCH<\/h3>\n<p>arbeitet seit 2001 selbstst\u00e4ndig im Bereich \u201eStructural Package Design\u201c und unterrichtet Verpackungsdesign an der FH Joanneum in Graz, der Werbe &amp; Design Akademie in Salzburg und am Lehrgang f\u00fcr Verpackungstechnologie an der FH Wien.<\/p>\n<p><strong>Wie kann der Hersteller bzw. die Marke von nachhaltigen Verpackungen profitieren?<\/strong><br \/> Es ist wohl eher die Frage, wer sich \u201enicht-nachhaltige Verpackungen und Produkte\u201c auf lange Zeit leisten wird k\u00f6nnen. Bewegungen wie \u201eFridays for Future\u201c haben zum Gl\u00fcck inzwischen weltweit gro\u00dfe Auswirkung und der nachkommenden Generation, den zuk\u00fcnftigen Konsumenten, ist klar, dass vieles ge\u00e4ndert werden muss und wir es uns nicht leisten k\u00f6nnen, weiter so zu wirtschaften und zu konsumieren.<\/p>\n<p> <strong>Welchen Beitrag kann Design f\u00fcr nachhaltige Verpackungen leisten?<\/strong><br \/> Einen sehr gro\u00dfen \u2013 Design-4-Recycling ist absolut zukunftstr\u00e4chtig und wird vermehrt gefragt sein.<\/p>\n<p> <strong>Stichwort \u00d6ko-Design bzw. Design-4-Recycling \u2013 Was bedeutet dies aus ihrer Sicht?<\/strong><br \/> Materialien sinnvoll, gut trenn- und recycelbar einzusetzen, diese wenn m\u00f6glich regional zu beziehen und den Carbon Footprint auch in Bezug auf Transportwege mit einzubeziehen.<\/p>\n<p> <strong>Stichwort \u201eSecond Life\u201c im Verpackungsdesign \u2013 K\u00f6nnen Sie hier konkrete &nbsp;Beispiele nennen?<\/strong><br \/> Da f\u00e4llt mir die Verpackung der MAM Schnuller ein, die das Produkt nicht nur im Verkauf optimal pr\u00e4sentieren und sch\u00fctzen, sondern danach als Sterilisationsboxen f\u00fcr die Schnuller genutzt werden k\u00f6nnen. Auch die Ottakringer Bierrutsche ist eine gro\u00dfartige Idee, die daf\u00fcr sorgt, dass unten immer die k\u00fchlste Bierflasche entnommen werden kann, w\u00e4hrend man oben Neue nachf\u00fcllt. Eine tolle Verpackung, die auf Produkt und Zielgruppe ma\u00dfgeschneidert ist.<\/p>\n<p> <strong>Was sind die generellen Herausforderungen im Verpackungsdesign?<\/strong><br \/> Konsumenten- aber auch produzentenseitig das Bewusstsein zu schaffen, dass nachhaltige Produkte momentan einfach mehr Geld kosten. Solange da politisch und steuerlich nichts geschieht, werden Produkte aus Billigproduktionsl\u00e4ndern, aus wirtschaftlichen \u00dcberlegungen heraus, oft das Rennen machen.<\/p>\n<p> <strong>Haben sich die Anforderungen von Konsumg\u00fcterindustrie und Handel an Verpackungen und ihrem Design in den letzten Jahren ver\u00e4ndert? Was sind die Trends?<\/strong><br \/> Nachhaltigkeit und Circular Economy sind auch bei den Auftraggebern verst\u00e4rkt Themen. Das Erf\u00fcllen dieser Anforderung steht leider oft in Widerspruch mit einer m\u00f6glichst kosteng\u00fcnstigen Verpackungsl\u00f6sung und den bestehenden Produktionsanlagen.<br \/> &nbsp;<\/p>\n<h3>GERLINDE GRUBER<\/h3>\n<p>machte sich im Bereich Verpackungsdesign nach ihrem Informationsdesign-Studium an der FH Joanneum 2011 in Wien selbstst\u00e4ndig. Sie unterrichtet Packaging Design und Prototyping an der Graphischen in Wien.<\/p>\n<p><strong>Stichwort \u00d6ko-Design bzw. Design-4-Recycling \u2013 Was bedeutet dies aus ihrer Sicht?<\/strong><br \/> Ich habe den Anspruch, dass sich keiner \u00e4rgern muss, wenn er mit meinen Verpackungsdesigns zu tun hat. Weder beim Transportieren, Lagern, beim Verwenden, Aufbewahren oder Entsorgen sollen meine Verpackungen m\u00fchsam sein.<br \/> Das richtige Design kann den Kunden dabei unterst\u00fctzen die Verpackung richtig zu verwenden und sie nach ihrem Gebrauch auch richtig zu entsorgen. Eine Kartonverpackung, die sich ganz leicht flach zusammenlegen l\u00e4sst, erh\u00f6ht die Chance, dass die Verpackung gesammelt wird und dann in die richtige Tonne wandert.<br \/> Duale Systeme wie z. B. der Gr\u00fcne Punkt in Deutschland bieten zu Design-4-Recycling Hilfestellungen und Guidelines an. Wir DesignerInnen k\u00f6nnen beispielsweise darauf achten, dass wir Etiketten f\u00fcr unsere Kunden bestellen, die sich von den Gl\u00e4ser leicht runterl\u00f6sen lassen oder bei Kunststoffverpackungen sollten eher helle Farben verwendet werden, da diese leichter zu recyceln sind. Wir sollten dort wo es m\u00f6glich ist auf Verbundstoffe verzichten.<br \/> Im besten Fall ist die Verpackung mehr als nur sch\u00f6ne H\u00fclle und tr\u00e4gt, neben der M\u00f6glichkeit des Recycelns, noch ein weiteres Leben, ein Second Life, in sich.<\/p>\n<p> <strong>K\u00f6nnen sie Erfolgsbeispiele f\u00fcr Design-4-Recycling nennen, die zur Absatzsteigerung des Produktes selbst gef\u00fchrt haben?&nbsp;<\/strong><br \/> Das Start-up Zirp Insects hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Konsumenten die Proteinquelle der Zukunft, Insekten, schmackhaft zu machen. Am Anfang wurden die gefriergetrockneten Insekten in Standard-Gew\u00fcrzverpackungen aus Papier abgepackt. Ich habe das Redesign des Auftritts mitbegleitet und zeige mich f\u00fcr die neue Stanzkontur der Verpackungen verantwortlich. Jetzt werden die Produkte in einer individuellen Kartonbox, zugeschnitten auf die Bed\u00fcrfnisse der Marke, abgepackt.<br \/> Mit unserem Designansatz sprechen wir die Konsumenten auf der emotionalen Ebene an: Die charmante Aufmachung ist an das Kind in einem gerichtet und zeigt, dass es Spa\u00df macht etwas Neues zu probieren. Um die Authentizit\u00e4t der Marke zu unterstreichen setzten wir auch beim Verpackungsdesign auf Nachhaltigkeit. Die individuelle Stanzkontur erm\u00f6glicht die Verwendung von Karton mit geringer Grammatur. Da die Verpackung ohne Verklebung auskommt, k\u00f6nnen die Innenseiten f\u00fcr hilfreiche Informationen rund um essbare Insekten sowie f\u00fcr Zubereitungstipps und Rezepte genutzt werden und zus\u00e4tzliches Informationsmaterial kann eingespart werden.&nbsp;<br \/> Seit dem Redesign ist Zirp Insects im wahrsten Sinne in aller Munde!<\/p>\n<p> <strong>Welche Arten von Verpackungen erwarten sie in der Zukunft?<\/strong><br \/> Ich \u00e4rgere mich immer wieder, wenn ich mit M\u00fche eine Blisterverpackung aufschneiden muss. Hier wird Kunststoff in \u00fcberbordendem Ma\u00dfe eingesetzt, obwohl es doch z. B. gar nicht n\u00f6tig w\u00e4re einen simplen Bleistift hermetisch von der Au\u00dfenwelt abzuriegeln \u2013 und das Thema des Diebstahlschutzes kann man auch anders l\u00f6sen. Und ist es wirklich n\u00f6tig in der Eisdiele durchwegs beschichtete Becher anzubieten? Kurz gesagt: Wir gehen viel zu verschwenderisch mit Verpackungsmaterial um und dabei ist es dann oft nicht mal sch\u00f6n anzuschauen.<br \/> Deshalb denke ich, dass in Zukunft der Designaspekt immer wichtiger werden wird. Nicht nur um sich vom Mitbewerb abzuheben und um sich f\u00fcr die Zielgruppe richtig in Szene zu setzen, sondern vor allem auch um ressourcenschonende Verpackungen zu erarbeiten die leichtes Entsorgen und Recyceln im Blick haben. Schlaue L\u00f6sungen werden gefragter denn je sein!<br \/> &nbsp;<\/p>\n<h3>ANDREW STACK<\/h3>\n<p>ist Strategic Consultant bei PacProject, einer Agentur f\u00fcr Verpackungskonzepte und -l\u00f6sungen mit Sitz in Hamburg.<\/p>\n<p><strong>Haben sich die Anforderungen von Konsumg\u00fcterindustrie und Handel an Verpackungen und ihrem Design in den letzten Jahren ver\u00e4ndert? Was sind die Trends?<\/strong><br \/> In den letzten Jahren waren Trends, die das subjektive Wohlbefinden des Konsumenten steigerten, sehr stark im Fokus:<br \/> \u2014 Convenience: Das Handling ist f\u00fcr den Konsumenten immer wichtiger geworden.<br \/> \u2014 On the go: Dadurch, dass die Konsumenten immer weniger Zeit haben und sie immer mehr unterwegs sind, essen und trinken Konsumenten auch verst\u00e4rkt unterwegs.<br \/> \u2014 Personalisierung: Durch digitale Druckmaschinen, ist es mittlerweile f\u00fcr Firmen m\u00f6glich, den Kunden personalisierte Verpackungen anzubieten.<br \/> \u2014 Convenience vs. Sustainability: Das Thema \u201eNachhaltigkeit\u201c war zwar schon immer pr\u00e4sent, aber durch die Schockbilder von verm\u00fcllten Str\u00e4nden und Plastik in den Meeren, wird dem Konsumenten immer st\u00e4rker bewusst, was die Folgen des endlosen Konsums sind. Das sieht man vor allem an Bewegungen wie \u201eFridays for Future\u201c, wo die j\u00fcngere Generation auf die Stra\u00dfen geht, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren. Der Konsument w\u00fcnscht sich immer mehr nachhaltigere Verpackungen und bevorzugt diese gegen\u00fcber der Kunststoffverpackung.<\/p>\n<p> <strong>Was sind die aktuellen Herausforderungen im Verpackungsdesign?&nbsp;<\/strong><br \/> Bei der aktuellen Verpackungsentwicklung stehen die R-Strategien im Fokus: Recycle \u2013 Reuse \u2013 Reduce. Dabei ist es das Ziel, Kunststoff in jeder Hinsicht zu reduzieren oder zu vermeiden.<\/p>\n<p> <strong>Wie kann der Hersteller bzw. die Marke von nachhaltigen Verpackungen profitieren?<\/strong><br \/> Eine klare Position bzw. ein klares Statement tr\u00e4gt zum Wert einer Marke bei. Es bietet sich die M\u00f6glichkeit, Vorreiter zu sein, statt abzuwarten. Durch eine nachhaltigere Verpackung kann sich eine Marke viel st\u00e4rker von der Konkurrenz abheben. Zus\u00e4tzlich dazu kann eine nachhaltigere Verpackung zu einer Umsatzsteigerung f\u00fchren, da der Konsument eher eine nachhaltigere Verpackung kaufen w\u00fcrde als eine \u201enicht nachhaltige Verpackung\u201c. Trotzdem warten viele Hersteller noch ab und stellen ihre Verpackungen nicht auf eine nachhaltigere L\u00f6sung um, da diese meist mehr kostet.<br \/> &nbsp;<\/p>\n<div class=\"row\">\n<div>\n<div class=\"magazine-print-teaser\">\n<div class=\"row\">\n<figure> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"img-full-width\" src=\"https:\/\/mm.group\/wp-content\/uploads\/news-mmboardpaper-content-csm_cover-de_34bef84d85.webp\" width=\"420\" height=\"534\" alt=\"\"> <\/figure>\n<div>\n<h2>Diesen sowie viele weitere Artikel finden Sie im Unfolded Printmagazin!<\/h2>\n<div class=\"magazine-print-teaser-download\">\n<p>Download:<\/p>\n<ul class=\"list-unstyled magazine-print-teaser-download-list\">\n<li> <a href=\"https:\/\/mm.group\/wp-content\/uploads\/MMK_Unfolded_2_2019_DE_WEB.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DE<\/a>  <\/li>\n<li> <a href=\"https:\/\/mm.group\/wp-content\/uploads\/MMK_Unfolded_2_2019_EN_WEB.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EN<\/a>  <\/li>\n<\/ul><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SUSANNE LIPPITSCH arbeitet seit 2001 selbstst\u00e4ndig im Bereich \u201eStructural Package Design\u201c und unterrichtet Verpackungsdesign an der FH Joanneum in Graz, der Werbe &amp; Design Akademie in Salzburg und am Lehrgang f\u00fcr Verpackungstechnologie an der FH Wien. 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