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Anwendung der Abfallhierarchie in der Produktion von faserbasierten  Verpackungen

Abfall ist ein unvermeidlicher Bestandteil industrieller Produktionsprozesse. In Werken für faserbasierte Verpackungen werden Materialien täglich eingesetzt, verarbeitet und weiterverarbeitet, wodurch unterschiedliche Arten von Produktionsrückständen und Nebenströmen entstehen.

Ein effektiver Umgang mit diesen Materialien umfasst mehr als die Entscheidung, wie sie behandelt werden sollen, sobald sie zu Abfall geworden sind. Er bedeutet auch, zu prüfen, wo Abfall vermieden werden kann, wie Materialien länger im Nutzungskreislauf gehalten werden können und welcher Weg am geeignesten ist, wenn eine weitere Nutzung nicht mehr möglich ist.

Die Abfallhierarchie bietet einen Rahmen für diese Entscheidungen und unterstützt einen strukturierten Ansatz für das Materialmanagement in industriellen Betrieben.

Was ist die Abfallhierarchie?

Die Abfallhierarchie ist ein Rahmenwerk, das Organisationen dabei unterstützt zu bestimmen, wie Abfälle bewirtschaftet werden sollten. Sie priorisiert fünf Optionen: Vermeidung, Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung und Beseitigung.

Anstatt jeden Abfallstrom gleich zu behandeln, regt die Hierarchie dazu an, verschiedene Möglichkeiten zu prüfen, bevor eine Entsorgung in Betracht gezogen wird. Ziel ist es, Materialien so lange wie möglich produktiv zu nutzen und dabei technische, regulatorische und betriebliche Anforderungen zu berücksichtigen.

Das Rahmenwerk spiegelt sich auch in den aktuellen regulatorischen Entwicklungen wider. Die EU-Verordnung für Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) enthält Anforderungen hinsichtlich Verpackungsdesign, Recyclingfähigkeit, Reduzierung und Wiederverwendung und unterstreicht damit die Bedeutung eines effizienten Ressourcenmanagements entlang der gesamten Verpackungswertschöpfungskette.

 

An example of virgin fibre cartonboard by MM Board & Paper.
Beispieleines Frischfaserkartonsvon MM Board & Paper.

Anwendung der Abfallhierarchie in Produktionsbetrieben

Die praktische Anwendung der Abfallhierarchie beginnt damit, zu verstehen, an welchen Stellen im Produktionsprozess Abfälle entstehen und wie einzelne Materialströme derzeit bewirtschaftet werden.

Sobald diese Materialflüsse identifiziert sind, können mögliche Maßnahmen anhand der fünf Stufen der Hierarchie bewertet werden.

1. Vermeidung: Abfall an der Quelle reduzieren

Die Vermeidung hat innerhalb der Hierarchie die höchste Priorität, da sie darauf abzielt, Abfall gar nicht erst entstehen zu lassen.

Im Produktionsbetrieb kann dies die Analyse des Materialeinsatzes, der Produktionsparameter und von Prozessverlusten umfassen, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren. Die Überwachung von Materialflüssen und die Optimierung von Produktionsprozessen können dazu beitragen, Ressourcen effizienter zu nutzen und vermeidbare Verluste zu reduzieren.

2. Vorbereitung zur Wiederverwendung: Die Nutzung von Materialien verlängern

Wenn sich Abfall nicht vermeiden lässt, besteht der nächste Schritt darin, zu prüfen, ob Materialien für eine weitere Nutzung vorbereitet werden können. Dies kann Tätigkeiten wie Prüfen, Reinigen, Reparieren oder andere Maßnahmen umfassen, die eine erneute Nutzung ermöglichen.

In einem industriellen Umfeld kann dieses Prinzip auch auf produktionsbedingte Nebenströme angewendet werden, die in anderen Anwendungen einen Nutzen haben können. Bei MM Kotkamills wird Faserschlamm, der während der Abwasserbehandlung zurückgewonnen wird, zu Düngemitteln und bodenverbessernden Fasern für die Landwirtschaft verarbeitet. Dies zeigt, wie Produktionsnebenströme in alternativen Anwendungen genutzt werden können, sofern die Materialeigenschaften und regulatorischen Anforderungen dies zulassen.

MM Kotkamills, where fibre sludge is recovered and processed for agricultural applications.
MM Kotkamills, wo Faserschlamm zurückgewonnen und für Anwendungen in der Landwirtschaft weiterverarbeitet wird.

3. Recycling: Materialien in Produktionskreisläufe zurückführen

Wenn eine Wiederverwendung nicht möglich ist, können geeignete Materialien Recyclingströmen zugeführt werden.

In der Produktion von faserbasierten Verpackungen können hierzu zurückgewonnene Fasern und Kartonreste gehören. Diese können dort weiterverarbeitet werden, wo entsprechende Sammel- und Recyclingstrukturen vorhanden sind.

Bei MM Packaging können Kartonstanzreste aus dem Stanzprozess Recyclingströmen zugeführt werden, sofern die Materialspezifikationen und Verarbeitungsanforderungen erfüllt sind.

4. Sonstige Verwertung: Verbleibende Materialien nutzen

Wenn Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling nicht möglich sind, können andere Verwertungsoptionen in Betracht gezogen werden.

Dazu zählen beispielsweise Verfahren, bei denen Abfälle zur Energieerzeugung genutzt werden oder einen anderen sinnvollen Zweck erfüllen. Welcher Weg gewählt wird, hängt von den Eigenschaften des Materials und den verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten ab.

5. Beseitigung: Die letzte Option

Die Beseitigung stellt die letzte Stufe der Abfallhierarchie dar.

Bevor eine Entsorgung gewählt wird, sollten Organisationen prüfen, ob für das betreffende Material Optionen aus den höher priorisierten Stufen der Hierarchie anwendbar sind. Zu den Beseitigungswegen können Deponierung oder Verbrennung ohne Energierückgewinnung zählen.

Die Abfallhierarchie in den Betriebsalltag integrieren

Die Anwendung der Abfallhierarchie erfordert Transparenz über Materialflüsse und ein klares Verständnis dafür, wie unterschiedliche Abfallströme innerhalb eines Betriebes bewirtschaftet werden.

Eine konsequente Abfalltrennung, geeignete Infrastruktur und das Bewusstsein der Mitarbeitenden spielen eine wichtige Rolle für fundierte Entscheidungen. Regelmäßige Überprüfungen können zudem helfen, Potenziale zur Verringerung von Materialverlusten zu erkennen und die Ressourcennutzung zu verbessern.

Auch wenn sich der konkrete Ansatz je nach Material und Produktionsprozess unterscheidet, bietet die Hierarchie einen gemeinsamen Rahmen, um verfügbare Optionen zu bewerten und fundierte Entscheidungen im täglichen Abfallmanagement zu unterstützen.

Abfall ist ein Material oder Gegenstand, der entsorgt wird oder entsorgt werden soll. Das Abfallmanagement umfasst Aktivitäten wie Vermeidung, Sammlung, Sortierung, Behandlung, Verwertung und Beseitigung von Abfällen. Die Abfallhierarchie bietet einen Rahmen, um diese Optionen zu bewerten.  

Produkte für das Abfallmanagement sind Produkte, Anlagen oder Systeme, die zur Sammlung, Sortierung, Lagerung, Behandlung, Verwertung oder Bewirtschaftung von Abfällen eingesetzt werden. In Produktionsbetrieben hängen die relevanten Systeme und Anlagen von den verarbeiteten Materialien und den jeweiligen Betriebsprozessen ab. 

Schulungen im Abfallmanagement helfen Mitarbeitenden zu verstehen, wie unterschiedliche Abfallströme gehandhabt werden sollten und warum Abfalltrennung sowie geeignete Behandlungswege wichtig sind. Klare Vorgaben und Schulungen können konsistente Praktiken im gesamten Betrieb unterstützen und zu einem effektiven Abfallmanagement beitragen.