Skip to content
MM Group

 Von „recycelbar“ zu tatsächlich recycelt. Wie die PPWR die Anforderungen an die Recyclingfähigkeit von Verpackungen erhöht 

Was bedeutet „recycelbare Verpackung“ eigentlich?

Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach. Das Cambridge Business English Dictionary definiert „recyclable“ als Materialien oder Produkte, die nach einer speziellen industriellen Behandlung erneut verwendet werden können. Doch sobald Verpackungsabfälle in reale Recyclingprozesse gelangen, wird die Frage deutlich komplexer.

Eine Verpackung kann grundsätzlich recyclingfähig sein – ob sie tatsächlich recycelt wird, hängt jedoch davon ab, was nach ihrer Nutzung geschieht. Können Verbraucherinnen und Verbraucher den richtigen Entsorgungsweg erkennen? Wird die Verpackung in dem Markt, in dem sie verkauft wird, überhaupt getrennt gesammelt? Kann sie zuverlässig sortiert werden? Gelangt sie in den richtigen Recyclingstrom? Und lässt sich das Material anschließend wieder zu einem hochwertigen Sekundärrohstoff aufbereiten?

All diese Fragen müssen sowohl bei der Entwicklung von Verpackungen als auch von den Marken berücksichtigt werden, die diese in Verkehr bringen. Mit der EU-Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) steigt der Handlungsdruck zusätzlich. Die PPWR gilt grundsätzlich ab dem 12. August 2026 und verfolgt unter anderem das Ziel, dass bis 2030 alle auf dem EU-Markt in Verkehr gebrachten Verpackungen auf wirtschaftlich tragfähige Weise recyclingfähig sind.

Die Recyclingfähigkeit von Verpackungen hängt von realen Systemen ab

Technische Recyclingfähigkeit und tatsächliches Recycling sind zwei unterschiedliche Dinge. Verpackungen müssen zwar von Anfang an mit Blick auf ihr Lebensende entwickelt werden, gleichzeitig aber weiterhin zahlreiche andere Anforderungen erfüllen: Sie müssen das Produkt schützen, auf Produktions- und Verpackungslinien zuverlässig funktionieren, Markenbotschaften transportieren und wirtschaftlichen Anforderungen gerecht werden.

Beschichtungen, Barrieren, Druckfarben, Klebstoffe, Verschlüsse, der Aufbau einer Verpackung und Hinweise zur richtigen Entsorgung können entscheidend dafür sein, ob eine Verpackung die vorhandenen Sammel-, Sortier- und Recyclingprozesse erfolgreich durchläuft. Gleichzeitig beeinflussen genau diese Faktoren auch ihre Funktion entlang der Lieferkette und am Point of Sale.

Verpackungsperformance und Recyclingfähigkeit sind deshalb keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Aufgabe.

PPWR bedeutet einen Neustart für Verpackungen – nicht nur einen weiteren Compliance-Check

Genau deshalb sollte die PPWR nicht lediglich als zusätzlicher regulatorischer Prüfpunkt verstanden werden. Sie bietet Anlass, Verpackungen grundsätzlich neu zu betrachten und Design, Daten, Funktionalität und Kreislauffähigkeit früher und ganzheitlicher zusammenzudenken.

MM Group unterstützt Kunden bei diesem Übergang, indem Materialkompetenz, Verpackungsdesign, Nachhaltigkeitswissen und regulatorisches Know-how in einem ganzheitlichen Ansatz miteinander verbunden werden.

Dabei geht es nicht lediglich um die Frage, ob eine Verpackung theoretisch recycelt werden kann. Rein technisch betrachtet lässt sich eine solche Aussage in irgendeiner Form über nahezu jedes Material treffen.

Entscheidend ist vielmehr, zu verstehen, wie eine Verpackung über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg unter realen Bedingungen funktioniert: von der Auswahl der Materialien und der Produktion über die Nutzung durch Verbraucherinnen und Verbraucher bis hin zur Sammlung, Sortierung und Verwertung am Ende ihres Lebenszyklus.

Technische Recyclingfähigkeit bedeutet zunächst nur, dass ein Verpackungsmaterial oder Verpackungsformat grundsätzlich recycelt werden kann, meist unter bestimmten Voraussetzungen beziehungsweise mithilfe vorhandener Recyclingtechnologien. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Verpackung am Ende tatsächlich recycelt wird. 

Recycling unter realen Bedingungen geht einen Schritt weiter. Dabei wird berücksichtigt, ob eine Verpackung in den Märkten, in denen sie verkauft wird, tatsächlich gesammelt, sortiert und recycelt werden kann. 

Eine Verpackung kann technisch recyclingfähig sein. Wenn Verbraucher jedoch nicht wissen, wie sie richtig entsorgt werden muss, oder die notwendige Infrastruktur vor Ort nicht vorhanden ist, sind ihre tatsächlichen Recyclingmöglichkeiten eingeschränkt.

Unter realen Bedingungen sind vor allem jene Verpackungsmaterialien gut recycelbar, für die etablierte Sammelsysteme, effiziente Sortierprozesse und eine entsprechende Nachfrage nach den zurückgewonnenen Rohstoffen bestehen. 

Für faserbasierte Verpackungen, Glas und Metalle gibt es in vielen europäischen Märkten bereits gut etablierte Recyclingstrukturen. Bei Kunststoffverpackungen unterscheiden sich die Recyclingquoten dagegen stärker – abhängig von Kunststoffart, Verpackungsformat, vorhandener Infrastruktur und dem Grad möglicher Verunreinigungen. 

Allerdings ist kein Material automatisch kreislauffähig. Auch ein faserbasierter Karton, ein Glasbehälter, eine Metalldose oder eine Kunststoffverpackung muss recyclinggerecht gestaltet, richtig gesammelt, dem passenden Stoffstrom zugeführt und von der vorhandenen Infrastruktur verarbeitet werden können. 

Beschichtungen, Laminate, Barrieren, Etiketten, Klebstoffe, Druckfarben und Produktrückstände können das Recycling beeinflussen. Deshalb gilt es, Funktionalität und Kreislauffähigkeit bereits beim Verpackungsdesign sorgfältig miteinander in Einklang zu bringen.

Recyclinggerechtes Verpackungsdesign, häufig auch als Design for Recycling bezeichnet, berücksichtigt bereits zu Beginn der Entwicklung unter anderem die Materialkombinationen, Beschichtungen, Druckfarben, Klebstoffe, Barrieren, Verschlüsse und den grundsätzlichen Aufbau einer Verpackung. 

Ebenso wichtig sind klare Hinweise zur richtigen Entsorgung und möglichst einfache Entsorgungswege. Denn auch das Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher entscheidet darüber, ob eine Verpackung tatsächlich im richtigen Recyclingstrom landet. 

Designteams müssen deshalb Recyclingfähigkeit, Produktschutz, Produktionsanforderungen, Markenwirkung und Nutzerfreundlichkeit gemeinsam betrachten. 

Eine Verpackung, die zwar gut recyclingfähig ist, das Produkt aber nicht ausreichend schützt, ist keine nachhaltige Lösung. Genauso wenig wie eine Verpackung, bei der Verbraucher nicht erkennen können, wie sie richtig entsorgt werden soll. 

Verbraucherinnen und Verbraucher sind ein entscheidender Bestandteil funktionierender Recyclingkreisläufe. 

Sind Hinweise zur Entsorgung unklar, insbesondere bei hybriden Verpackungslösungen, die beispielsweise faserbasierte Materialien und Kunststoff miteinander kombinieren, kann eine Verpackung im falschen Sammelstrom landen, Recyclingprozesse beeinträchtigen oder schließlich im Restmüll entsorgt werden. 

Klare, verständliche und belegbare Informationen zur richtigen Entsorgung helfen dabei, Verpackungen dem richtigen Recyclingweg zuzuführen. Gleichzeitig schaffen sie Vertrauen. 

Da Umweltaussagen und Nachhaltigkeitsclaims zunehmend kritisch geprüft werden, benötigen Marken eine Verpackungskommunikation, die für Verbraucher leicht verständlich ist und deren Aussagen zugleich belastbar und nachvollziehbar sind. 

MM betrachtet Verpackungen ganzheitlich und verbindet dabei Materialperformance, Verpackungsdesign, Nachhaltigkeitsdaten, regulatorische Entwicklungen und Anforderungen an das End-of-Life-Management. 

Dieser integrierte Ansatz hilft Unternehmen dabei, bereits früh im Entwicklungsprozess bessere Entscheidungen zu treffen. 

Kunden können erkennen, welche Verpackungslösungen in bestehenden Recyclingströmen bereits gut funktionieren, wo Anpassungen notwendig sein könnten und welche Verbesserungen priorisiert werden sollten, ohne dabei Produktschutz, betriebliche Effizienz oder Markenwert aus den Augen zu verlieren.

Der erste Schritt ist eine transparente Bestandsaufnahme des eigenen Verpackungsportfolios. Unternehmen sollten wissen, welche Materialien und Verpackungsformate sie einsetzen, in welchen Märkten diese angeboten werden, wie recyclingfähig sie sind, welche Entsorgungshinweise Verbraucher erhalten und welche Recyclingwege tatsächlich zur Verfügung stehen. 

Auf dieser Basis lassen sich Lücken identifizieren, Maßnahmen priorisieren und die Anforderungen an Recyclingfähigkeit und Kreislaufwirtschaft systematisch in zukünftige Verpackungsentwicklungen integrieren. 

Die PPWR erhöht die Dringlichkeit dieses Prozesses. Die eigentliche Chance geht jedoch weit über reine Compliance hinaus: Unternehmen können Verpackungssysteme entwickeln, die widerstandsfähiger, transparenter und besser auf eine funktionierende Kreislaufwirtschaft vorbereitet sind.